Ein Blick zurück in die Vergangenheit

Heessener Avantgarde verschönert zum Jubiläum Stromkasten an der Kleistraße

Heessen – Seit über 100 Jahren findet das Vogelschießen des Schützenvereins Heessen 1835 im Heessener Wald statt. Wenn der Adler an Fronleichnam gefallen ist, marschieren sie mit dem frisch gekürten König zum Dorfabend am Eckey. Diese Tradition wird dank der Avantgarde nun auch bildlich im Stadtbezirk für alle sichtbar festgehalten. Denn an der Kleistraße wurde ein historisches Bild vom Marsch angebracht, das auch zeigt, wie sehr sich der Ort verändert hat.

Im Jahr 1921 ist das Bild gemacht worden, das die Schützen noch in Kittel und mit Schärpe auf der Kleistraße zeigt. Damals wurde zum ersten Mal im Wald geschossen, es ist also ein ganz besonderes Foto, das die Avantgarde herausgesucht hat. „Anlass war unser 125-jähriges Jubiläum im vergangenen Jahr“, sagt der 1. Kommandeur Lukas Schauf. Die jungen Gardisten haben sich dabei ausführlich mit ihrer Geschichte beschäftigt, und es kam die Idee auf, sich im Stadtbild zu verewigen. „Das ist ein ganz schönes Bild und es ist dort, wo wir entlangkommen, wenn wir marschieren“, meint Schauf.

Der Stromkasten steht dabei übrigens nur wenige Meter von der Stelle, wo einst auch der Fotograf (laut Bildunterschrift ein H. Steimann) gestanden haben muss – nur dass alles noch ganz anders aussah. Die längst asphaltierte Kleistraße war damals ein einfacher Feldweg, und wo heute auf beiden Seiten Häuser stehen, war früher von Bebauung nichts zu sehen.

Links vom Weg ist hinter einer Hecke eine Baumreihe zu sehen, rechts Felder. Im Hintergrund ist obendrein ein Wegekreuz zu sehen, anhand dessen sich der Ort herausfinden lässt. Denn das stand früher dort, wo mittlerweile die Grünfläche an der Einmündung Langenhövel ist, wo sich die Avantgarde nach dem Schießen heute immer noch einmal sammelt.

Das Kreuz, errichtet 1920 von der Familie Kettrup aus Dankbarkeit um die Rückkehr des Sohnes aus dem 1. Weltkrieg, nahm die Familie 1980 mit, als ihr Hof umgesiedelt wurde. Heute steht es laut Schauf auf dem Hof Wiemschulte, während an der Ecke Kleistraße/Langenhövel 1986 ein neuer Bildstock errichtet wurde.

„Ich möchte mich bedanken für das Engagement der Avantgarde und das Bild, das uns viel mehr schenkt als nur einen Blick auf das Schützenwesen, sondern auch ein historisches Bild der Kleistraße“, lobte Bezirksbürgermeisterin Erzina Brennecke sowohl den Einsatz der jungen Leute als auch ihre Motivwahl. Gemeinsam mit drei Vertretern der Garde übergab sie den Blickfang nun auch bei einem offiziellen Termin der Öffentlichkeit. Aufgeklebt hatten die Gardisten die wetterfeste Folie bereits Ende des alten Jahres.

Der Schützenverein schmückt in Heessen schon an anderen Stellen das Standbild. Auch Stromkästen an der Heessener Dorfstraße und am Marktplatz zeigen verschiedene Gruppen. Die Avantgarde wollte mit ihrem Bild darüber hinaus gehen und etwas anbringen, das mehr die Gesellschaft abbildet, so Schauf.

Im Stadtbezirk ist schon lange kein Stromkasten mehr mit einem Bild verschönert worden. Zuletzt wurde vor Jahren am Sachsenweg ein Bild der Zeche angebracht. Das gehe immer auf bürgerschaftliches Engagement zurück, erläuterte Brennecke. Bei der Umsetzung würden niemandem Steine in den Weg gelegt werden. Ein persönlicher Bezug zum Ort oder zu einem Ereignis sei meist schon ausreichend.

Quelle: WA 28.01.2026 – Autor Boris Baur